Hätte mir vor zehn Jahren jemand erzählt, dass ich eines Tages für einen Halbmarathon, inklusive Ernährungsberatung, Lauftreffs, Fachvorträgen und und und, trainieren würde, hätte ich demjenigen wohl den Vogel gezeigt.

Als knapp 16-Jährige habe ich zum Frühstück wahlweise Schokopudding oder – aufgrund meiner lateinamerikanischen Wurzeln – Tacos mit viel Käse gegessen. Wie es um meine Einstellung zu Sport stand, kann man sich wohl denken.

Eines Tages kündigte unsere Sportlehrerin an, dass jeder Schüler, der beim Laufevent in unserer Heimatstadt teilnehmen würde, eine Eins bekommen würde. Eine Eins? Einfach so durch ein „bisschen Laufen“?, dachte ich damals und meldete mich – wie viele meiner Mitschüler – für die 13 Kilometer an. Für Untrainierte in der Tat wie ein Marathon. Meine Mutter total euphorisch von meinem plötzlichen Sinneswandel kaufte mir auch sofort Laufschuhe.

Ich erinnere mich noch, wie ich fortan in einem Park in der Nähe meines Elternhauses meine Runden drehte. Zwar nicht kontinuierlich, aber immerhin noch genug, um das schlechte Gewissen zu beruhigen.  Trotzdem habe ich mich nach jedem Lauf gut gefühlt. Einmal bin ich sogar meiner damaligen Englischlehrerin und ihrem Hund über den Weg gelaufen. „Tatiana, du machst auch bei der Lauf-Aktion mit? Respekt!“, sagte sie. So eine Anerkennung zwischendurch war für mich eine wahnsinnige Motivation. Damals hat man zum Laufen übrigens noch einen IPod benutzt. Mittlerweile kenne ich niemanden mehr, der noch so ein Gerät besitzt.

Den Lauf an sich erlebte ich wie im Rausch. Die spürbare Anspannung aller Läufer, kurz vor dem Startschuss, das Anfeuern von Zuschauern am Straßenrand und schließlich die wirklich große Euphorie, wenn man auf die Zielgerade einbiegt. Einfach ein tolles Gefühl! Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war, dass für das Durchhalten eines Marathons der Wille mindestens genauso wichtig ist, wie eine gewisse Fitness. Nach dem Lauf habe ich tatsächlich angefangen, regelmäßig Sport zu treiben – allerdings im Fitnessstudio. Denn alleine laufen, machte mir nicht so viel Spaß. Umso mehr freue ich mich, den Lauf diesmal ganz anders angehen zu können: In einer Laufgruppe mit anderen Motivierten, die das gleiche Ziel haben wie ich. Am meisten reizt mich die sportliche Herausforderung.

Als ich übrigens meinem Mann erzählt habe, dass ich bei Lauf geht’s mitmache, war er ganz stolz und hat das sofort seiner Mutter erzählt – danach wusste es die ganze Familie. Ein Zurück gibt es jetzt also auch nicht mehr.

Eure Tatiana